26.02.2021
Lesezeit: ca. 3 Minuten

Design Thinking vs. Design Sprints, der Unterschied leicht erklärt

Wenn ich Design Sprints mastere, stellt sich meinen SprintlerInnen immer wieder die gleiche Frage. „Machen wir nicht gerade Design Thinking, oder gibt es da einen Unterschied?“ Mit einer anschaulichen Analogie möchte ich diese Frage beantworten

Kürzlich bin ich bei den Design Sprint Gurus AJ & Smart über die bis dato treffendste Analogie zum Thema gestolpert, die sehr schön veranschaulicht, was Design Thinking und Design Sprints verbindet und klar voneinander abgrenzt. Dazu machen wir einen Ausflug in die Welt der Kulinarik...

Design Thinking ist wie die Kochkunst, die Philosophie des Kochens.

Wollen wir Kochen lernen, besuchen wir dazu einen Kochkurs, wo wir uns mit dem theoretischen Überbau zum praktischen Kochen beschäftigen und erste Gerichte zubereiten. Wir lernen den richtigen Umgang mit dem Messer, wie man was würzt, wie wir eine Zwiebel korrekt schneiden, wie wir eine Pasta „al dente“ hinbekommen, usw. Am Ende des Kurses sollten wir einen Gesamtüberblick über die vielen einzelnen Elemente und Schritte der Kochkunst erlangt haben sowie die Fähigkeit ein Gericht solide und gut zuzubereiten.

Tim Brown, Design Thinking Pioneer, Executive Chair bei IDEO

Design Thinking ist die Theorie einer Anwender-zentrierten Herangehensweise, die darauf abzielt komplexe Problemstellungen zu bearbeiten.

Wollen wir mehr über Design Thinking erfahren, besuchen wir z.B. einen Kurs, wo wir eine Vielzahl an unterstützenden Methoden, Tools und Einzelübungen erlernen, die dieses Vorgehen unterstützen. Konkret kann es darum gehen, seine User besser zu verstehen, einem unbekannten Problem auf den Grund zu gehen und es zu lösen, um Brainstorming oder Prototyping oder die Erstellung einer Persona. Im Blick haben wir dabei immer auch die technologische Machbarkeit sowie die Wirtschaftlichkeit. Zu Kursende können wir einzelne Übungen im Job umsetzen und haben im Idealfall eine neue Denkhaltung angenommen, die auf unsere Anwender ausgerichtet ist.

Design Thinking ist wie die hohe Kunst zu kochen

Design Thinking als Experten-Disziplin

Oft aber verlangt die Ausgangslage beim Kunden die Anwendung einer ganzen Folge von individuell kombinierten und aufeinander abgestimmten Methoden, eine Arbeits-Architektur, um ein erfolgsbringendes Ergebnis zu erreichen. Auf die Zusammenstellung solcher speziellen Settings verstehen sich nur versierte Design Thinking Experten. Auf unsere Analogie umgelegt: die Chefköche alias Designer stellen je nach Kundenauftrag die richtigen Einzelbausteine für das passgenaue Rezept bzw. Workshopdesign zusammen.

Der Design Sprint ist wie ein perfekt elaboriertes Rezept

Angenommen, wir veranstalten einen italienischen Abend mit Freunden und wollen gemeinsam eine richtig gute, originale „Pasta Carbonara“ kochen… Das ist ein anspruchsvolles Gericht. Keiner hat ein Rezept parat. Niemand weiss, wer konkret was machen soll. Noch völlig unklar ist, wie das Endresultat aussehen soll. Und was überhaupt heisst „richtig gut“ in diesem Kontext. Klingt, als könnte die Zubereitung lange dauern… Das wäre der große Auftritt für ein vielfach bewährtes Familienrezept, das wir Schritt-für-Schritt befolgen könnten, um das Abendessen gelungen zuzubereiten.

Jake Knapp, Designer und Buchautor von "SPRINT".

Der Design Sprint ist ein durchdesignter Prozess, der alle Schlüsselphasen des Design Thinkings beinhaltet

Mit dem Design Sprint verhält es sich wie mit diesem tradierten Erfolgsrezept: er ist ein robuster Prozess mit präzise aufeinander abgestimmten Elementen aus dem Design Thinking Toolset. Eine Anleitung, die klare Rollen und Aufgaben zuteilt und durch striktes Time-Boxing effizientes und fokussiertes Arbeiten unterstützt, nicht zuletzt im Zuge der komplexen Produktentwicklung. Meist führt ein Sprint Master durch das 4-tägige Workshop-Format. Dieser stellt sicher, dass das Sprint Team auf das große Ziel ausgerichtet bleibt und seine Mission siegreich erfüllt.

Der Design Sprint für Teams ohne Vorkenntnisse

Die Design Thinker bei Google haben den Design Sprint nicht nur „erfunden“, sondern an hunderten von Teams angewandt und verbessert. Inzwischen ist der Sprint so ausgereift, dass er funktioniert, auch ohne die darin verpackte Methodik zu kennen. Theoretisch befähigen Design Sprints heute jeden dazu, Design Thinking nach Rezept in der Praxis anzuwenden, innovativ zu sein und etwa Produkte zu validieren und extrem schnell zu testen. Es braucht also keine Design-Experten mehr, um loszusprinten - das ist neu!

Es führen unterschiedliche Wege zu einem guten Gericht.

Geschulte Sprint Master führen sicher zum Erfolg

Unserer Erfahrung nach kann beim Sprinten ohne Hintergrundwissen dennoch so einiges schief gehen, was Schade ist, denn die Teams sind im Regelfall hoch motiviert gemeinsam ihre Challenge zu bezwingen. Wir empfehlen deshalb Ihren Design Sprint professionell begleiten zu lassen. Geschulte Sprint Master liefern entscheidende Impulse, wenn Teams im Prozess stecken bleiben, den Fokus durch Diskussionen verlieren, Hilfe benötigen bei der Entscheidungsfindung oder schlichtweg nicht wissen, wie es weitergehen soll.

Maja Francé
Organisationsentwicklerin und Scrum Master

Als Organisationsentwicklerin und Scrum Master begleitet Maja Francé die strategischen Transformationprozesse in der openFORCE. Durch iterative, partizipative Initiativen mobilisiert sie Verwirklichung von Selbstorganisation und Agilität unter ihren openFORCE-Kolleg*innen, was die Entstehung einer sinnerfüllten Arbeitsumgebung mit transparenten Strukturen sowie einer offenen Feedback- und Fehlerkultur fördert. Neben dem Purpose unterstützt Maja die openFORCE dabei, die Komplexität und Dynamik der Märkte mit eigener Kraft zu managen und resilienter zu werden. Sie interessiert sich besonders für das Thema Design Thinking und hat sich auf das Mastern von analogen und digitalen Design Sprints spezialisiert.

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