13.04.2022
Lesezeit: ca. 4 Minuten

100 % Remote Company - Wenn der Geschäftsführer das Büro auf eine Insel verlegt

In meinem letzten Artikel habe ich berichtet, welche zwei Dinge für Remote Work untentbehrlich sind. Dieses Mal berichte ich von meinem Selbstversuch, bei dem ich vier Wochen auf Teneriffa verbracht und dabei gearbeitet habe.

Was davor geschah

Ich habe mich 2020 mit Beginn der Corona-Pandemie an zumeist drei oder vier Tagen in der Woche ins Home Office begeben und von zuhause aus das Unternehmen geführt. Zusammen mit Gerhard, meinem Co-Geschäftsführer, der seit dem ersten Lockdown vorwiegend aus dem Home Office arbeitet. Wir genießen in unserer Branche das Privileg, von überall aus arbeiten zu können. Zu Terminen, an denen wir physisch anwesend sein müssen, Team Events und einfach so auch einmal zwischendurch kommen wir beide immer noch gerne ins Büro.

Fast forward: Vor kurzem habe ich einen lange geplanten Traum umgesetzt. Sobald meine Kinder volljährig waren, wollte ich die kalten Monate Februar und März in einer wärmeren Region leben und von dort aus arbeiten. 2022 war ich erstmals dazu auf Teneriffa, von Mitte Februar bis Mitte März.

Wie ging es mir dabei? Ich hatte mich gut vorbereitet und einige Blogartikel von Leuten gelesen, die über einen längeren Zeitraum remote arbeiteten. Das Bild, das mir am meisten davon in Erinnerung blieb, zeigte unter dem Titel "Vision" einen braungebräunten Sunny Boy in einer Hängematte, mit Sonnenbrille am Laptop unter einer Palme und das weite Meer im Hintergrund. Daneben ein zweites Bild mit dem Titel "Reality". Es zeigte einen Mann in Jogginganzug, der an einem wüst überladenen Bügeltisch telefoniert. Im Hintergrund eine unaufgeräumte Küche, an Stühlen aufgehängte Wäsche und ein kleines Fenster mit Blick auf den Hinterhof.

Nun ja, ein bisschen ist das auch so. Hier kommt mein Erfahrungsbericht:

Du bist nur so gut wie dein WLAN-Empfang

An keinem Strand der Welt findet man die WLAN-Verbindung die man braucht. Es ist also klar, dass man den Großteil seiner Arbeit indoor erledigt. Ich hatte bei der Auswahl meiner Bleibe also speziell darauf geachtet, dass ich eine gute Internetverbindung zur Verfügung haben würde (und das hat sich gelohnt). Im Grunde bieten das viele Anbieter von Ferienwohnungen oder -häusern ohnehin an. Aber es ist wichtig, bereits bei der Buchung darauf zu achten.

Ein angenehmer Arbeitsplatz ist die halbe Miete

Gemeinsam mit meiner Frau wagte ich das Abenteuer Teneriffa. Wir wollten beide produktiv arbeiten. Wir achteten darauf, dass wir getrennte Räume dafür zur Verfügung hatten, um einander nicht zu stören. Jeder hatte einen kleinen Tisch zur Verfügung und man konnte die Türen verschließen, um bei Telefonaten nicht den anderen zu stören. Es sollte auch nicht einer beim anderen im Strand-Outfit durchs Bild laufen, wenn Videokonferenzen liefen. Und die liefen oft.

Natürlich geht man bei schönem Wetter auf die Terrasse und arbeitet von dort. Das Wetter ist – selten aber doch – nicht immer schön und deswegen ist es wichtig, dass man einen festen Platz im Inneren zur Verfügung hat. Planen Sie also großzügig genug. Wir haben hier nicht gespart.

Otto Meinhart bei seinem Arbeitsplatz auf Teneriffa

Die richtige Portion Alltag im Paradies

Viele tolle Locations liegen weit ab vom Schuss. Einsame Berghütten oder Ferienhäuser am Strand. Das ist schön. Aber es stört auch den Alltag, weil man sehr davon abhängig ist, ausreichend Proviant und Dinge das alltäglichen Lebens zur Verfügung zu haben.

Wir haben uns bewusst für einen Ort entschieden, in dem Nahversorger und Restaurants um die Ecke lagen. Wir benötigten auch kein Mietauto. Wenn das Leitungswasser keine Trinkqualität hat, ist es wichtig, schnell um die Ecke ausreichend Wasser zu bekommen, damit man seine Business-Termine nicht rund um die Versorgungs-Fahrten anordnen muss. Bei uns war der Alltag ein „richtiger“ Alltag und wir konnten uns die Business Termine frei einteilen.

Wann ist unser Meeting eigentlich? Die liebe Zeitverschiebung

Apropos Termine. Wenn Sie an einem Ort mit Zeitverschiebung zu ihrem Hauptunternehmen arbeiten, dann ist das ein Thema. Wir hatten in Teneriffa nur eine Stunde Zeitverschiebung gegenüber Wien. Aber diese eine Stunde reichte, um sich anpassen zu müssen. Wenn in Wien um 12:00 Mittag war, hatte ich gerade 11:00 Uhr. Ich hatte also um 11:00 kaum Termine, dafür aber fast jeden Tag schon um 12:00. Hier begann der Nachmittag.

Wir lösten das, indem ich eine Stunde früher begann und meine Mittagspause auf zwei halbstündige Pausen aufteilte. Eine von 11:30 - 12:00 und eine weitere um 15:00 Uhr. Unser Rhythmus war schnell umgestellt. Jeden Tag ging ich um 11:00 eine kleine Runde an der Strandpromenade spazieren und um 15:00 nahm ich eine Nachmittags-Jause.

Es ist überhaupt keine Problem, aber bedenken Sie den Zeitunterschied!

Höhere Lebensqualität bringt bessere Arbeitsqualität

Arbeit ist immer noch Arbeit. Warum ich es dort aber so genoss und warum wir diesen Ort gewählt hatten, war wegen des Klimas. Zu einer Zeit, in der mir in Wien der nasse, kalte Winterwind ins Gesicht wehen würde, ging ich in meinen Pausen am Strand spazieren. An den Abenden und Wochenenden genoss ich die entspannte Art auf Teneriffa.

Meine Arbeit hat davon nur profitiert. Es ist also empfehlenswert, wenn man in einem Unternehmen 100% remote arbeiten kann (und wenn die Umstände das zulassen), dies auch mal auszuprobieren. Ich habe meinen nächsten Aufenthalt 2023 bereits gebucht. Es herrscht große Nachfrage und die Planung ein Jahr im Vorhinein empfiehlt sich.

Vorschau

Ist wirklich alles so fein? Fehlt wirklich nichts? In meinem nächsten Artikel suche ich die Schattenseiten von 100% Remote Work.

Otto Meinhart
Gründer und Geschäftsführer

Der studierte Informatiker gründete 2002 gemeinsam mit Gerhard Hipfinger die openFORCE Information Technology. Ottos langjährige Erfahrung in den Bereichen Projektmanagement und Solution Engineering bilden die Basis für seinen zukunftsorientierten Approach in Richtung Cloud Native und Microservices. Gemeinsam mit Gerhard treibt er strategische Themen, um die openFORCE auf die zukünftigen Herausforderungen der Märkte vorzubereiten und die Rahmenbedingungen für eine selbstorganisierte und transparente Organisation zu schaffen.

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